Presse über Judith Beier

Main Echo vom 05.12.2011 schrieb …

Urgewalt auf zweieinhalb Quadratmetern
Bühne: Judith Beier ist Prinzipalin des Theaters im Lädchen in Dietzenbach – Schauspiel im Schaufenster

Auf der Bühne ist sie eine Urgewalt – in komischen wie in dramatischen Rollen. Den hesselnden Headbanger aus Frankfurt-Praunheim gibt sie mit der gleichen Präsenz und Leidenschaft wie die Frau Marthe in Goethes “Faust”. Nur dass ihr großes schauspielerisches Talent niemand wahr genommen hat. Sie selbst am wenigsten. Dazu wäre Judith Beier auch viel zu bescheiden.

Passion zum Beruf gemacht
Lieber hat sie es 17 Jahre ihres Lebens im Verborgenen gehalten. Die Passion nicht zum Beruf gemacht. Mit dem Herzen bei der Kunst entschied sich die 45-jährige Dietzenbacherin zunächst für einen so genannten Brotberuf. (…) Ja, die Musik – die ist Judith Beiers zweite große Leidenschaft. Mit einem mächtigen Organ ausgestattet sammelte sie erste Erfahrungen als Musical-Sängerin in Valentin’s Wintergarten in Kahl. Natürlich auch nur nebenbei.
2007 verlor sie ihren Arbeitsplatz. Und ergriff die Chance. Gleichzeitig wurde der Laden in ihrem Wohnhaus frei, der jahrelang eine Schneiderei beherbergt hatte. Ein kleines Lädchen nur. Eine tollkühne Idee, aus dem Schneiderlädchen ein Zimmertheater zu machen. Aber Judith Beier hatte sie. Das sage und schreibe 2,5 Quadratmeter große Schaufenster gestaltete sie mittels eines Podests zur Bühne um, den Laden zum Zuschauerraum. 30 Gäste finden Platz. Dicht zusammengerückt auf Klappstühlen. Mit einem Schoppen oder einem Piccolöchen in der Hand. Denn das gehört in Judith Beiers Theater im Lädchen (TiL) dazu – die freundliche, fast familiäre Atmosphäre. So ist ihr TiL in den vergangenen vier Jahren zu einem echten Schmuckstück gereift.
Den Centre Court von Wimbledon nannte der Ex-Tennisstar Boris Becker einst sein Wohnzimmer. Ein Wohnzimmer: Wer mit dem Theater Kommunikation und Geselligkeit verbindet, wer es für etwas irgendwie Liebenswertes hält, dem ist Judith Beiers Theater im Lädchen tatsächlich wie ein Wohnzimmer.

Wohlfühl-Arena
Eine Wohlfühl-Arena en miniature. Eine, in der einem Schaufenster ganz neue Bedeutung zukommt. Im TiL ist es eine Bühne im doppelten Sinne. Für diejenigen, die im Lädchen sind ebenso, wie die, die sich während der Vorstellung schon einmal an der Scheibe die Nase plattdrücken. So gerät für die draußen der Zuschauerraum zur Bühne, während die drinnen die Wirklichkeit vor der Tür als Theater der voyeuristischen Art empfinden mögen. Das Theater gleichsam als philosophisches Vexierspiel. Toll!

Längst eine Institution
So wundert es nicht, dass die Mini-Bühne in Dietzenbach längst so etwas wie eine Institution geworden ist. Samt der Prinzipalin. Die nun endlich ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Und darin vollends aufgeht. So muss es einfach Spass machen, sie auf der Bühne zu sehen. (…)

Über die Grenzen hinaus
Mehr noch: Die Schauspielerin und Theaterdirektorin ist unterdessen ein Stück weit von ihrer beruflichen Vergangenheit eingeholt worden: Wissend wie Marketing wirkt, hat sie es auch über die Grenzen Dietzenbachs hinaus zu einiger Bekanntheit gebracht. Verdientermaßen überzeugte und überzeugt ihr Talent auch andere Theatermacher im Rhein-Main-Gebiet. So ist Judith Beier auch Ensemblemitglied des Erthaltheaters und des modernen Theaters in Aschaffenburg. Jürgen Overhoff

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